Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Disziplin und Demokratie

Die Reformation vollzog sich in einer Gesellschaft mit vielen verschiedenen Menschen. Man verstand Verschiedenheit als Teil der Ordnung, die Gott geschaffen hatte. Da waren Unterschiede und Machthierarchien in der Ständegesellschaft zwischen Adel, Pfarrer, Bürger und Bauer – und im Haustande zwischen Hausvater und Hausmutter und dem übrigen Hausstand. Und an der Spitze stand der König.  In allen Beziehungen verlangte man Gehorsam; das galt nicht zuletzt dem Gehorsam gegenüber der Obrigkeit. Aber der Gehorsame konnte mit gleichem Recht Schutz einfordern, und der Gedanke des individuellen Rechts hatte große Bedeutung. Es war eine Gesellschaft durchdrungen vom Gedanken der Gegenseitigkeit. In der lokalen Gesellschaft verpflichtende Gemeinschaft, und man sollte seinem Nächsten helfen.

Mit dem lutherischen Verständnis vom Christentum wurde großes Gewicht auf den einzelnen Menschen und sein Verhältnis zu Gott gelegt. Aber die Betonung des einzelnen war in sich keine Beitrag zur Schaffung einer modernen Demokratie. In den ersten Jahrhunderten nach der Reformation betonte man eher, dass alle der sozialen und moralischen Gemeinschaft verpflichtet waren, weil der einzelne Gottes Wort verstehen konnte und deshalb Verantwortung zu übernehmen hatte.

Die Moral der Gesellschaft war religiös begründet. Man meinte, dass sündiges Verhalten sowohl dem einzelnen als auch der Gesellschaft schaden konnte, weil Gott mit seiner Strafe alle treffen konnte z.B. mit Krieg der Naturkatastrophen. Die Männer der Kirche schritten deshalb ein gegen Unsittlichkeit, Unruhe, fehlende Fürsorge und andere verfehlte Auslegungen des Glaubens. Das geschah in der sogenannten Kirchenzucht, die in belehrenden Gesprächen, Beichte und in groben Fällen Ausschluss aus der Gemeinschaft im Leben der Kirche und der Gemeinde bestand. Es gab jedoch immer einen Weg zurück zur Gemeinschaft, wenn man seine Sünden bereute und sich dem Glauben an Gott hingab.

Die lutherischen Gedanken von der Bedeutung des Individuums bahnten den Weg dafür, dass sich mehr Menschen im Laufe des 19. Jahrhunderts gegen die Kirche wandten. In den Erweckungsbewegungen erhielten sie die Möglichkeit, ihren Glauben selbst zu definieren und auszulegen, und in den religiösen Versammlungen gab es viele, die Erfahrung  mit der Schaffung eigener Organisationen machten. Nach dem Grundgesetz kam das Gesetz über die Befreiung vom Parochialzwang, das den Menschen das Recht gab, sich an den Pfarrer zu wenden, den sie vorzogen. Der lutherische Glaube an Gleichheit trug auch dazu bei, den Frauen die Kraft zu geben, Stimmrecht zu fordern, und dieser Gedanke spielt beim Aufbau einer demokratischen politischen Kultur eine Rolle.

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