Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Schule und Bildung

1536 übernahm die Königsmacht die alten Kirchenschulen zusammen mit dem größten Teil des übrigen Kirchengutes. Künftig sollte es eine gute Lateinschule in allen Städten geben, so dass die Jungen im lutherischen Christentum und lateinischer Schriftkultur unterrichtet werden konnten. Die Tüchtigsten konnten an die Universität gehen und Pfarrer in der neuen Kirche werden. Die Lateinschulen dienten zugleich als die Armenschulen der Städte. In den jüngsten Klassen lernten die Kinder Lesen und Religion auf Dänisch und wurden so einige Jahre versorgt und erzogen. In den ältesten Klassen, wo Lateinisch dominierte, gab es weniger Schüler. Hier gingen u.a. etliche Pfarrersöhne, die in den ersten Jahren zu Hause Privatunterricht empfangen hatten.

Der Unterricht wurde auch mehr generell gestaltet. Die Eltern wurden daran erinnert, dass sie ihre Kinder zu guten Christen erziehen sollten. In allen Gemeinden sollte der Küster die Jungend in der „christlichen Kinderlehre“ unterrichten. Das geschah mit Hilfe von Luthers Kleinem Katechismus, der sicherstellen sollte, dass die Kinder den Glauben in rechter lutherischer Weise lernten. Wenn man sein Vaterunser, die zehn Gebote und das Glaubensbekenntnis, d.h. den Kern des Katechismus und die Grundlage des Glaubens, nicht konnte, konnte man nicht am Abendmahl teilnehmen oder sich verloben.

Im Laufe des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wurde es mehr üblich, dass lokal „Schule gehalten wurde“ mit eigentlichem Leseunterricht für beide Geschlechter. Das Ziel war, dass Jungen und Mädchen dadurch besser imstande sein sollten, den Kleinen Katechismus Luthers und die dazugehörige Erklärung zu lesen – und dann die Texte auswendig zu lernen. In derselben Periode war die Schriftkultur allgemein in der Gesellschaft wichtiger geworden. Es gab mehr Nachfrage nach Schulgang, und viele Jungen lernten auch Schreiben und Rechnen.

Für die Pietisten des 18. Jahrhunderts wurde die persönliche Aneignung des Glaubens entscheidend. 1736 wurde die Konfirmation durch Gesetz als obligatorisch eingeführt, d.h. dass man ein bestimmtes Ritual mit einem Examen einführte, bei dem die jungen Menschen in ihrer „christlichen Kinderlehre“ einer Prüfung unterzogen wurden. Alle Kinder hatten nun Schulpflicht, damit sie genügend Lesen lernten und Christentum. 1814 kam eine umfassendere dänische Schulgesetzgebung, die sieben Jahre Unterricht für alle Kinder forderte, jetzt auch in Schreiben und Rechnen.

Schule und Kirche war bis in unsere Zeit eng miteinander verbunden. Die staatliche Aufsicht über die Schulen lag bis 1933 bei Pfarrern und Pröpsten, und lokal wurde der Lehrer lange als „Mann der Kirche“ angesehen und „Küster“ genannt. Die christliche Erziehung war bis 1975 Teil der gesetzlichen Grundlage der Volksschule, auch füllten biblische Geschichte, Christentum und Kirchenliedergesang lange Zeit viel Raum in der Volksschule. Seit 1975 ist der Religionsunterricht nicht mehr Verkündigung, sondern er soll über das Christentum (und andere Religionen) informieren. An vielen Schulen wird die christliche Tradition u.a. durch die jährliche Weihnachtsfeier gepflegt.

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