Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Mann und Frau und ihre Rollen in Kirche und Gesellschaft

In der lutherischen Welt waren Männer und Frauen prinzipiell gleich im Verhältnis zu Gott. Beide waren Sünder, wie es Adam und Eva gewesen waren. Beide sollen ihre Sünde bekennen und zum Glauben kommen. Deshalb richtete sich die Kirche in ihrer Arbeit sowohl an Männer als auch an Frauen. Sie sollten an Gottesdiensten teilnehmen, die Sakramente empfangen und das Wort Gottes in der Bibel verstehen. Der Unterricht im Lesen richtete sich an beide Geschlechter.

Im Mittelalter hatten Männer wie Frauen die Möglichkeit, ein Leben im Kloster zu wählen. Die meisten lebten jedoch in einem Hausstand. Als das Klosterleben verschwand, blieb der Hausstand zurück als einzige Möglichkeit und erhielt für das gesellschaftliche Leben im Luthertum entscheidende Bedeutung. Das bedeutete, dass Frauen eine Reihe von Lebensmöglichkeiten verloren. Die Verehrung der Jungfrau Maria und die vielen weiblichen Heiligen verschwanden – und damit auch eine Reihe von positiven Frauengestalten. In den letzten Jahren hat man entdeckt, dass viele Frauen außerhalb ihres Hausstandes aktiv waren, auch nach der Reformation. Viele begannen sich für Theologie und Gelehrsamkeit zu interessieren und schrieben und veröffentlichten erbauliche Schriften.

Im Hausstand hatte der Hausvater Autorität über alle und damit auch über seine Ehefrau. Nur als Witwe konnte die Frau Oberhaupt eines Hausstandes sein. Die Frau war also in der Praxis fast immer einem Mann untergeben, und auch wenn es seit der Reformation möglich war, sich scheiden zu lassen, geschah dies selten. Mit Hilfe der Kirche wurden Verlobung und Ehe reguliert und beschützt. Männer und Frauen wurden wegen Unzucht bestraft, und niemand konnte zu einer Ehe gezwungen werden. Man wünschte nämlich ein Verhältnis mit gegenseitigem Respekt, wo der Hausvater und die Hausmutter gemeinsam den Hausstand leiten konnten, aber mit einer klaren Aufteilung der Arbeitsaufgaben zwischen den Geschlechtern. In Bezug auf Produktion und Ökonomie waren Mann und Frau voneinander abhängig, und wenn ein Ehepartner starb,   heiratete die Witwe oder der Witwer oft recht schnell wieder. Wie in der Geschichte von Adam und Eva meinte man, dass Frauen für die Versuchungen des Teufels mehr empfänglich seien, und u.a. deshalb wurden Frauen öfter als Männer der Hexerei beschuldigt.

In der Gesellschaft der Reformationszeit waren alle von anderen abhängig, die meisten von ihrem Hausstand. Die Konzentration des Luthertums auf den einzelnen Menschen erhielt neue Bedeutung in den Erweckungsbewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen Männer und Frauen aktiv waren, Frauen jedoch selten als Redner. Und im Laufe des 19. Jahrhunderts gab die Religion vielen Frauen die Kraft und die Legitimität, einen größeren Platz in der Gesellschaft einzunehmen durch die Philanthropie und später um Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen, der  nicht selten von Frauen mit religiösem Hintergrund angeführt wurde. In der Religion fanden sie einen Gedanken von der Gleichheit, der sich deutlich von der biologischen Ungleichheit zwischen Männern und Frauen unterschied, für die sich etliche Wissenschaftler damals interessierten.

1947 erhielten Frauen das Recht, Pastorinnen in der dänischen Volkskirche zu werden. Im Laufe des 20. Jahrhunderts änderten sich die Lebensbedingungen der Frauen in vieler Weise. Frauen wurden besser ausgebildet, immer mehr Frauen kamen auf den Arbeitsmarkt und blieben dort. Prävention und das Recht auf Abreibung schufen neue Möglichkeiten, über den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu bestimmen. In konservativeren Kreisen waren viele besorgt, dass die traditionelle Rolle der Geschlechter und die Familienmuster dadurch gefährdet wurden. Vor allem das Recht auf Abreibung stieß auf direkten Widerstand und war einer der zentralen Gründe für die Gründung einer Christlichen Volkspartei im Jahre 1970 (seit 2003 Christdemokraten). Auch die kirchliche Trauung von zwei Menschen gleichen Geschlechts war lange umstritten, wurde aber durch Gesetz im Jahre 2012 eingeführt.

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