Bilder der Reformation: Mann und Frau und ihre Rollen in Kirche und Gesellschaft

Königin Dorothea war die erste lutherische Königin Dänemarks. In den 1560’er Jahren bestellte sie zwei Ahnentafeln, um die Wände in ihrer Kapelle auf dem Schloss von Sonderburg auszuschmücken. Auf den Tafeln sieht man die Vorfahren von ihr und Christian III vier Generationen zurück. Ahnentafeln wie diese dienten bei den Fürsten und dem Adel der Vermarktung ihrer vornehmen Herkunft.

Man konnte primär zwischen zwei Systemen wählen, wenn man die Herkunft der Familie visualisieren wollte: das Ahnensystem oder den Stammbaum. Dorothea wählte das Ahnensystem, vermuntlich weil es Frauen und Männer gleich behandelt. Die Ahnen der Männer wie der Frauen werden aufgeführt, und sie zählen gleich viel – im Gegensatz zum Stammbaumsystem, das nur der männlichen Linie folgt von Vater zum Sohn. Im Ahnensystem sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Diese Gleichberechtigung kommt visuell u.a. zum Ausdruck in der Weise, wie die verschiedenen Ehepaare sich zueinander verhalten: Sie sprechen mit einander, berühren einander, halten einander in den Armen – Männer und Frauen füllen gleich viel, sie sind gleich groß, und ihren Wappen und Inschriftentafeln sind auch gleich groß.

Was Dorothea hier vorzeigt, ist das lutherische Ideal der Ehe. Bei Luther sind Eheleute nicht gleichgestellt, aber gleichwertig. Mann und Frau haben verschiedene Rollen auszufüllen, aber das geschieht innerhalb gottgegebener Bereiche, wo sie jeweils Autorität haben. Das Gottgegebene wird somit durch eine patriarchalische Gesellschaftsordnung vermittelt, in der der Mann der Frau übergeordnet ist, wo aber auch die Zusammenarbeit zwischen den Eheleuten wichtig ist.

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