Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Familie und Erziehung

Der lutherische Hausstand sollte von gegenseitigem Respekt, Pflichten und Rechten geprägt sein. Im Kleinen Katechismus, nach dem alle Kinder erzogen werden sollten, hatte Luther genau erklärt, wie dies zu verstehen sei: Dem Hausvater hatten alle zu gehorchen, hierunter auch die Ehefrau, während Kinder und Dienstleute dem Hausvater und der Hausmutter Respekt und gehorsam schuldeten. Dafür hatte der Hausvater die Verantwortung dafür, Kinder und Dienstleute zu erziehen und zu beschützen. Deshalb hatte er auch das Recht, sie zu züchtigen. Sowohl das Wort Gottes als auch physische Bestrafung wurden als wichtige Mittel der Erziehung betrachtet.

Konkret sollte der Hausvater für Tischgebet, Hausandacht und die Erziehung im christlichen Glauben sorgen. Der Katechismus, Gesang- und Gebetsbücher sowie die Bibel, vor allem die Sprüche aus dem Alten Testament sollten den Alltag bestimmen. Vor allem aber wurde erwartet, dass Hausvater und –mutter gute Modelle christlicher Lebensführung waren. Die lokale Pfarrfamilie stand oft als Muster eines guten lutherischen Hausstandes. Aber die Ideale galten für alle Hausväter mit eigenem Besitz, auch z.B. für Handwerker und Bauern.

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts erhielten private Hausandachten eine neue Bedeutung. Sie wurden der Ort, wo die neuen Erweckungsbewegungen sich um ihr Glaubensverständnis sammeln konnten. Die Erweckten sahen darin selbst eine Fortsetzung einer alten lutherischen Tradition, während die Behörden die Versammlungen der Erweckten mit Misstrauen betrachteten: Sie waren zu groß – und die Verkündigung geschah ohne kirchliche Aufsicht.

Der Hausstand war die Grundeinheit der Gesellschaft durch Jahrhunderte – auch wirtschaftlich und sozial. Es bestand eine klare Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern. Das bedeutete, dass Witwen und Witwer oft schnell wieder heirateten, während viele Unverheiratete Dienstleute wurden. Ledige wurden in vielen Fällen als eine Bedrohung der Stabilität angesehen.

Industrialisierung und Urbanisierung führten zu Veränderungen in sozialen Strukturen und Familienmustern. Viele waren besorgt, dass sich die ganze Gesellschaftsmoral auflöste und engagierten sich in privater Philanthropie. Das würde arme und verlorene Menschen retten, die nicht mehr durch einen bestimmten Hausstand beschützt waren. Heute ist es noch immer oft so, dass das Leben in einer Familie, mit Eltern und Kindern, als Garant für Stabilität und Sicherheit gilt. Aber das Bild dessen, wie eine „Familie“ und ein „Hausstand“ aussehen kann, hat sich sehr verändert: Patchwork-Familien mit Kindern aus verschiedenen Ehen, Eheleute gleichen Geschlechts und verschiedene Formen von kollektiven Wohngemeinschaften gehören zum Bild der Familie in den 2010’er Jahren. Außerdem hat man heute ganz andere Vorstellungen von Mitbestimmung und Gleichberechtigung, auch in den vier Wänden der Familie.

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