Luther und die reformatorischen Ideen: Die Bibel und das Wort

Die Renaissance machte es zu einem Ideal, zu den Quellen zurückzugehen, wenn man historisches Material untersuchen sollte. Dieses Ideal übernahm die Reformation. Aber wo der Humanismus der Renaissance in hohem Maße für die Elite war, war die Reformation auch volkstümlich. Nicht nur Theologen sollten die Bibel lesen können. Das sollten im Prinzip alle. Deshalb begann man auch, die Bibel in neuer Weise zu lesen und zu gebrauchen: Die Theologen lasen die Bibel in den Originalsprachen Griechisch und Hebräisch, um das beste Verständnis zu gewährleisten. Und zugleich stellte man kritische Übersetzungen in den Sprachen des Volkes her, so dass die Bibel auch von Leuten ohne lange Ausbildung gelesen werden konnte. Vor der Reformation war die Bibelauslegung Theologen vorbehalten, und diese verhielten sich zur kirchlich sanktionierten Auslegung und baute auf ihr auf. Nun wurde es ein Ideal, dass jeder Christ seinen Glauben verstehen und darstellen konnte.

Für Luther war es wichtig, dass die Bibel richtig gelesen wurde, so dass man nicht seine eigenen Meinungen in den Text hineinlas. Er meinte, dass die ganze Bibel als „Gesetz“ und „Evangelium“ zu lesen sei. Vorher hatte man diese Unterscheidung dazu verwandt, das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Testament zu verstehen: das Alte Testament enthielt Die zehn Gebote und andere Texte über Gottes Befehle an den Menschen, während das Neue Testament sich auf die Berichte über Jesus und seine Bedeutung konzentrierte. Nun zogen sich Gesetz und Evangelium durch die ganze Bibel. Alles, was etwas vom Menschen verlangte, wurde als Gesetz verstanden, ganz gleich ob es im Alten oder im Neuen Testament stand. Texte über das Gesetz würden immer offenbaren, dass der Mensch ein Sünder war, der die Gebote Gottes nicht einhalten konnte. Alles, was in der Bibel – direkt oder indirekt – von Christus sprach und damit Gottes Gnade schenkte, war dagegen Evangelium.

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