Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Pfarrer und Gemeinde

Das Schlagwort der deutschen Reformationsbewegung vom „allgemeinen Priestertum“, das Priester und Laien gleich stellte, erreichte auch Dänemark. Aber nach der Einführung der Reformation stand es nicht zur Diskussion, dass Gottesdienste in rechter lutherischer Weise abzuhalten seien und dass Gottes Wort der Gemeinde zu erklären sei. Deshalb war der einzelne Gemeindepfarrer fast noch wichtiger als vorher. Er war der Vertreter der Kirche und der Staatsmacht vor Ort und zugleich der Hirte der Gemeinde und der gelehrte Experte. Nach der Reformation wurde auch erwartet, dass der Pfarrer ein verheirateter Mann mit eigener Familie im Pfarrhaus war und dass er Vorbild für alle christlichen Hausväter zu sein hatte.

Der Gemeindepfarrer hatte große und wachsende Aufgaben. Außer Predigten und Gottesdiensten war er für die Armenfürsorge in der Gemeinde und die Krankenpflege zuständig, die Erziehung der Jugend, Aufsicht über die örtlichen Schulen, Disziplinierung der Sünder, Schlichtung zwischen Eheleuten und Bekanntmachung neuer Gesetze. Mit den vielen Aufgaben wuchsen die Anforderungen an die Ausbildung der Pfarrer und die laufende Aufsicht durch Propst und Bischof wurde intensiviert.

Auch wenn es formal die Gemeinde war, die nach der Reformation einen neuen Pfarrer in das Amt berufen sollte, hatten die Gemeindeglieder meist nur geringen Einfluss. Es waren meist Gutsleute, König oder Bischof, die das entscheidende Wort hatten. Mit dem Pietismus des 18. Jahrhunderts und den Erweckungen des 19. Jahrhunderts erhielt die Idee des direkten Verhältnisses des Einzelnen zu Gott neuen Auftrieb, und manche begannen die Autorität des Pfarrers infrage zu stellen. Einige Jahre nach der Einführung des Grundgesetzes erhielten alle das Recht, den Parochialzwang aufzuheben, d.h. sich an einen Pfarrer außerhalb der eigenen Gemeinde zu wenden. Seit 1903 gibt er gewählte Kirchenvorstände in allen Gemeinden.

Die Pfarrer behielten ihre zentrale Rolle im kulturellen und gesellschaftlichen Leben bis hin ins 19. Jahrhundert. Die weitere gesellschaftliche Entwicklung, vor allem die zunehmende Säkularisierung, hat seit dem dazu beigetragen, die Bedingungen für das Wirken der Pfarrer zu verändern.

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