Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Der Staat und die Kirchen

Früher   im Dänemark des Spätmittelalters besaß die Kirche mehr als ein Drittel des Grundbesitzes, und vor allem die Bischöfe hatten großen politischen Einfluss. Die Reformationsbewegung wollte diese Macht und nicht zuletzt den Einfluss des Papstes in Rom begrenzen. Mit der Reformation Christians III 1536 übernahm die Königsmacht den größten Teil der Besitztümer an Grund und Boden und Gebäuden; die weltliche Macht der Kirche wurde abgeschafft, und der König war nun oberste Instanz. An einigen Orten kam es zu sichtbaren Veränderungen, z.B. wo Klöster geschlossen wurden oder überflüssige Stadtkirchen abgerissen wurden. Die Kirche besaß dennoch weiter ihre eigene bedeutende Organisation mit Pfarrern, Pröpsten und Bischöfen, und die Geistlichen waren noch immer ein besonderer gesellschaftlicher Stand mit Privilegien und einem hohen Maß an Selbstbestimmung. Armenhilfe und Schulwesen gehörten zu den Aufgaben, der sich die Leute der Kirche annahmen.

Der König wurde als eine Obrigkeit aufgefasst, die von Gott eingesetzt war. Deshalb hatte er eine besondere Verantwortung vor Gott, der Kirche und seinen Untertanen. Wenn er neue Gesetze erließ, als oberster Richter wirkte oder in den Krieg zog, wurde das oft mit dieser Verantwortung begründet. Und wenn die Pfarrer das religiöse Weltbild ihren Gemeinden vermittelten, legten sie großes Gewicht auf die Ordnung und den gegenseitigen Respekt und Gehorsam, die in einer guten lutherischen Gesellschaft herrschen sollten. Während des Absolutismus (1660-1849) wurde die Auffassung vom König als von Gott erwähltem Monarchen und nun souveränem Herrscher noch mehr betont.

Mehr als drei Jahrhunderte lang hatte Dänemark eine lutherische Staatskirche, der alle Einwohner des Landes angehören mussten. Das Grundgesetz von 1849 schaffte die Staatskirche ab, und Religionsfreiheit wurde ein demokratisches Recht. Der Regent des Landes war jedoch weiter dem lutherisch-evangelischen Glauben verpflichtet. Niemand konnte sich damals eine Gesellschaft ohne Kirche und christliche Gesellschaftsmoral vorstellen. Die evangelisch-lutherische Kirche erhielt einen besonderen Status als „Volkskirche“, die vom Staat unterstützt werden sollte. Die angekündigte gesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen der Volkskirche und dem Staat wurde nie verwirklicht. Das hat in regelmäßigen Abständen Anlass zu Diskussionen gegeben, vor allem in den letzten Jahren, wo der Wunsch nach kirchlicher Selbständigkeit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche stärker wurde. Die Mitgliederzahl der Volkskirche ist in den letzten Jahrzehnten rückläufig gewesen, von 89,3% der Bevölkerung im Jahre 1990 auf 78,4% im Jahre 2014.

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