Luther und die reformatorischen Ideen: Universität und Wissenschaft

Die Reformatoren erhielten große Bedeutung für das Verständnis der Universitätsstudien und damit auch für den Wissenschaftsbegriff. In Zusammenarbeit mit Melanchthon realisierte Luther früh eine Reform der Universität in Wittenberg nach humanistischem Vorbild. Das Hauptanliegen waren gediegene Quellenstudien in der Originalsprache als Ausgangspunkt für die gelehrten Studien. Für Melanchthon war die Organisierung der Universität und der verschiedenen Studien von einem übergeordneten Prinzip der Nützlichkeit geprägt. Alles sollte der Kirche und der Gesellschaft zugutekommen. Besonders das Geschichtsstudium wurde wichtig, denn die faktische Geschichte trug dazu bei, den Plan aufzuzeigen, den Gott mit der Welt hatte.

Die Reformatoren veränderten den Zugang zum Stoff: An der neuen Universität sollte man sich nicht länger der Auslegungstradition der Kirche unterwerfen, wie das im Mittelalter Sitte war. Man sollte stattdessen – mit gründlichen Sprachstudien als Voraussetzung – selbst die Quellen lesen und auslegen. Das humanistische Prinzip, zu den Quellen zu gehen („ad fontes“), erhielt in dieser Weise Bedeutung für die Reformation. Die Vorstellung vom „allgemeinen Priestertum“ beinhaltete den Gedanken der Fähigkeit des einzelnen zu lesen und zu verstehen. Dieser Gedanke bildete den Hintergrund für die reformatorische Weiterentwicklung des reformatorischen Ansatzes.

Auf diesem Hintergrund kann man sagen, dass die Reformation mit dazu beitrug, den Keim für die Befreiung wissenschaftlicher Untersuchungen zu legen, die mit der Zeit ein Kennzeichen moderner wissenschaftlicher Forschung wurde. Es dauerte jedoch mehrere Jahrhunderte, bis eine völlige Befreiung von bestimmten Auslegungen und autoritärer Steuerung der Studien Wirklichkeit wurde.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts und im Laufe des 19. Jahrhunderts, nach dem kritischen Zugang der Zeit der Aufklärung, verselbständigten sich die fachlichen Disziplinen innerhalb der Geisteswissenschaften, der Naturwissenschaft und der Gesellschaftswissenschaft. Bis dahin gab es übergeordnet eine vorbereitende Fakultät, wo man philosophischer Bachelor werden konnte, und dann drei Fakultäten für das Kandidatenstudium, nämlich die theologische (meist die weitaus größte), die juristische und die medizinische Fakultät.  

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