Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Universität und Wissenschaft

Sowohl vor als auch nach der Reformation hangen Wissenschaft, Universität und Religion eng zusammen. Es gab kein Wissen, das unabhängig von Religion war, weil die gesamte Weltauffassung religiös war. Wissenschaftliche Entdeckungen und Untersuchungen wurden als eine Art und Weise verstanden, detailliertes Wissen über das göttliche Schöpfungswerk zu erlangen, und es war deshalb für die Naturwissenschaftler genauso wichtig, von der Bibel auszugehen wie konkrete Beobachtungen zu machen. Als Ausgangspunkt erwartete man, dass Bibel und Untersuchungen der Natur einander bestätigten, und man konnte Wissenschaftler direkt der Zensur unterwerfen oder bestrafen, wenn ihre Observationen dem Wort der Bibel widersprachen.

Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Interesse für Observationen der Natur größer. Mehr präzise Experimente und Observationen verliehen der Medizin und den Naturwissenschaften größere Autorität. Der Astronom Tycho Brahe ist ein gutes Beispiel. Er entwickelte neue Instrumente und verwandte sie, um bessere Beschreibungen von Kometen, Planeten und Sternen zu schaffen. Für Tycho Brahe war es selbstverständlich, dass das neue Wissen international war. Er veröffentlichte seine Ergebnisse sogleich auf Lateinisch und empfing Gäste aus ganz Europa in seinem Observatorium.

Die Universität Kopenhagen war die einzige Universität Dänemarks, sie wurde 1479 gegründet. Mehrere hundert Jahre war Theologie das ganz dominierende Fach. Auch wenn man Jura, Medizin oder Naturwissenschaft studierte, geschah dies im Rahmen eines religiösen Verstehens. Nach der Reformation gab es einen großen Bedarf für die Ausbildung von Pfarrern für die lutherische Kirche, und wollte man Pfarrer werden, ging man zuerst auf eine der gelehrten Lateinschulen des Landes (oder wurde privat unterrichtet). Danach wurde der Student an der Universität examiniert. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurde es mehr üblich, länger zu studieren. Einige studierten auch im Ausland.

Die Universität wurde durch ein Konsistorium geleitet, das aus den Professoren bestand. In besonders schwierigen Rechtsfragen konnte das Konsistorium als eine juristische oder fachliche Expertengruppe einbezogen werden. Das konnte z.B. in Fällen der Zauberei geschehen, wo man den Umfang der Macht des Teufels über den Menschen erwog. Im dem Absolutismus war größerer Bedarf an ausgebildeten Beamten für die wachsende Verwaltung, und hier sollten die Universitäten auch eine wichtige Rolle spielen.

 

Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam es zu Diskussionen darüber, ein wie großes Gewicht die Religion für die Wissenschaft haben solle, aber erst im 19. Jahrhundert kam es zu einer klaren Arbeitsteilung zwischen den Fakultäten und Fächern, wie man sie heute kennt. Die Geisteswissenschaften wie u.a. Sprachwissenschaft und Geschichte entwickelten sich als selbständige Disziplinen, und Anfang des 20. Jahrhunderts etablierten sich die Gesellschaftswissenschaften.

Vor allem die Naturwissenschaften wuchsen stark in den letzten hundert Jahren. Der technologische Fortschritt des 19. Jahrhunderts und die folgenden gesellschaftlichen Veränderungen trugen zu einem steigenden Interesse für Physik, Chemie und Biologie bei. Mit der Lehre Darwins kam es dann zu einer Spaltung zwischen biblisch begründeter Erklärung des Daseins und einer Erklärung, die auf den Gesetzmäßigkeiten der Natur beruhte. Es entstand einen Entwicklungsgeschichte, die sich ausschließlich auf die Natur und ihre Gesetze konzentrierte, ganz unabhängig von Gott und Menschen. Das Ziel war nun, diese Gesetze zu erforschen. Die weite Entwicklung von Technologie und Gesellschaft hat auch dazu beigetragen, dass die Naturwissenschaften heute an den Universitäten als besonders wichtig angesehen werden. Sie sind es weitgehend, die in einer säkularisierten Gesellschaft die Standards dafür entwickeln, was gute Wissenschaft ist.

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