Luther und die reformatorischen Ideen: Gut und Böse

Für Luther und die übrigen Reformatoren war jeder Mensch in einer Spannung zwischen Gut und Böse, Gott und Teufel. Der Teufel war gleichzeitig etwas Konkretes und etwas Existenzielles und Metaphorisches. Luther konnte z.B. sagen, dass Gott ohne den Glauben an Christus selbst zum Teufel werde. Denn ohne die Liebe zu Menschen, die Gott in Christus erwies, blieb nur ein furchtbarer und strafender Gott.

Luther selbst sprach mehr von „Sünde“ als von dem „Bösen“. Die Sünde war das, was die Menschen dazu veranlasst, sich von Gott abzuwenden. In jedem Menschen findet ein innerer Kampf statt, der in den Christen stärker war als in den Nichtchristen. Für Luther war der Mensch sündig geboren. In dieser Weise führten Luther und die Reformation eine lange christliche Tradition fort, in der man den Menschen als in einem Zustand gefangen sah, aus dem er nicht selbst entkommen konnte. Luther war der Auffassung, dass der Mensch vor allem an sich selbst und seinen eigenen Vorteil interessiert sei. Er war „in sich selbst gefangen“, wie es Luther mit einem anschaulichen Bilde beschreibt. Aus diesem Zustand konnte sich der Mensch nicht selbst befreien. Das bedeutete nicht, dass der Mensch nicht mehr das Böse in sich selbst bekämpfen sollte. Aber der Mensch sollte lernen, dass er den Kampf gegen das Böse in sich nicht allein gewinnen kann. Nur die Vergebung Gottes konnte letztlich über das Böse im Menschen siegen.

Infolge Luther befreit uns die Vergebung Gottes dazu, Gutes zu tun. Wenn man nicht mehr gute Werke tun muss für sich selbst, konnte man besser gute Werke für den Nächsten tun. Luther unterschied also zwischen dem, ein guter Mensch in den Augen Gottes zu sein, und dem, gut zum Nächsten zu sein.

Das reformatorische Verständnis der Sünde und des Bösen hat mit zu einer veränderten Weltsicht beigetragen. Im alltäglichen Leben sollte man sein christliches Leben bewähren und nicht z.B. in einem Kloster weit weg von der Welt. Man wurde nicht ein besserer Mensch, wenn man unverheiratet im Kloster lebte, eher im Gegenteil. Die Familie wurde der Ort, wo der Mensch am besten nach dem Willen Gottes leben konnte.

Weil sich Gott in Christus als ein liebender Gott erweist, kann man auch die Welt als Gabe Gottes an den Menschen betrachten, die man behüten und schützen muss. Das nordeuropäische Verständnis vom Allgemeingut hat Wurzeln, die in die Reformation zurückreichen, und das radikale Verständnis der Sündigkeit des Menschen sollte paradoxerweise zu einer mehr positiven Sicht auf das alltägliche Leben beitragen.

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