Die Reformation und die dänische Gesellschaft: Bilder und Kunst

Welche Bedeutung hatte die lutherische Reformation für die Bildkunst? In erster Linie änderte sich die Art und Weise, in der man die Bilder in religiösen Zusammenhängen gebrauchte. Luther erlaubte in seinem Bilderverständnis den Gebrauch von Bildern in Kirchen und ähnlichen Kontexten im Gegensatz zu anderen Reformatoren wie z.B. Calvin und Zwingli, die das ablehnten.

Aber die Bilder sollen künftig in einer Weise verwandt werden, die nicht zu der Bilderverehrung führen konnte, die nach der Meinung der Reformatoren in der alten Kirche stattgefunden hatte. Hier konnten die Bilder eine göttliche Kraft besitzen, die sie befähigte, dem Menschen zu helfen, der sie anbetete. Die Bilder waren nämlich heilige Dinge – oder konnten es jedenfalls sein.

Im lutherischen Verständnis wurden die Bilder nun zu Dingen wie alle anderen Dinge. Ihre Funktion war vor allem die, den Christen an das Wort Gottes in der Bibel als Fundament aller Dinge zu erinnern. Das „Kraft“-Bild der alten Kirche wurde in ein „Erinnerungs„-Bild verwandelt, das nicht mehr eine beschützende oder helfende Eigenschaft besaß. Die Bilder wurden weltliche Dinge.

Oft konnten die Bilder der alten Kirche – die ja in allen Kirchen und in vielen Privathäusern hingen – auch von den neuen lutherischen Gemeinden gebraucht werden. In diesen Fällen beließ man sie dort, wo sie waren – oder hängte sie etwas anders auf – und gebrauchte sie nun in der neuen Weise.

Das Bilderverständnis Luthers und besonders seine Zeichentheorie eröffnete auch die Möglichkeit, dass man die alten Bilder neu deuten konnte, wenn es nötig war, so dass sie etwas anderes bedeuteten als früher. Man konnte auf diese Weise die Bedeutung revidieren, die die Bilder im alten „katholischen“ Zusammenhang hatten, so dass sie mit dem neuen lutherischen Zusammenhang übereinstimmten.

Gewisse alte kirchliche Motive waren jedoch theologisch so irrelevant, dann man sie nicht mehr sinnvoll neu auslegen konnte – Motive wie z.B. Marias Himmelkrönung oder Darstellungen des Fegefeuers. Es gab jedoch keinen Grund, sie zu zerstören. Solche Motive wurden „nur“ bedeutungslos im religiösen Zusammenhang und allmählich in den neuen Bereich in der Kultur verwiesen, den man „Kunst“ nannte – sie wurden mit der Zeit zu Kunstwerken.

Man erfand aber auch neue Motive, die die theologischen Pointen der neuen Konfession präziser visualisieren konnten. Eines der bekanntesten Beispiele ist das sogenannte Gesetz und Gnade Motiv, das Lucas Cranach aus Wittenberg Ende der 1520’er Jahre entwickelte, aller Wahrscheinlichkeit in Zusammenarbeit mit Luther. Es stellte fast in Art einer Comic-Serie klar dar, wie man als lutherischer Christ erlöst wird. Wie man sich von der alttestamentlichen Gesetzesreligion (links), in der die äußeren Werke für das Heil entscheidend waren, der neutestamentlichen Gnadenreligion (rechts) wenden sollte, wo der Glaube an Christus dagegen entscheidend war.

Der Text, den wir auf dem Bild sehen, ist typisch für die neuen lutherischen Motive. Es war nämlich wichtig, dass die Botschaft des Bildes klar und eindeutig war. Der Text verdeutlicht, was das Bild bedeutet, wie es zu verstehen ist. Die Offenheit für Auslegung, die die Bildersprache in ihrem Wesen enthält, sollte auf ein absolutes Minimum begrenzt werden. Indem man die Bedeutung des Motivs erklärt, verringert man die Gefahr, dass die Betrachter es fehldeuten, d.h. es eine andere Weise deuteten als die autorisierte lutherische Deutung.

Die allermeisten Motive in der religiösen Bildkunst konnte man sowohl in der neuen als auch der alten Kirche verwenden - die Motive bedeuteten nur etwas Verschiedenes in den beiden unterschiedlichen Zusammenhängen. Und es waren relativ wenige neue dezidiert lutherische Motive, die erfunden wurden. Deshalb ist es oft schwer zu zeigen, worin das „Lutherische“ in einem bestimmten religiösen Bild eigentlich besteht. Der primäre Unterschied zwischen den Bildern der beiden Konfessionen ist funktionell, d.h. der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie man die Bilder gebraucht.

TYPO3 CMS by TypoConsult A/S
Diese Seite nutzt Cookies zur Erstellung von Berichten und Features der Website zu optimieren. Haben Sie diese Website nutzen, können Sie die Verwendung von Cookies akzeptieren.
Cookies akzeptieren
Teile diese Seite