Luther und die reformatorischen Ideen: Das Internationale und das Nationale

Im Westeuropa des Mittelalters gab es eine Kirche für alle Länder. Für Martin Luther gab es auch nur eine Kirche, aber er meinte nicht, dass sie überall gleich sein müsse. Das Wichtigste war, dass das Evangelium gepredigt würde, dass die Menschen getauft wurden und zum Abendmahl gingen. Aber weil Luther es für wichtig hielt, dass die Leute über das Christentum in ihrer eigenen Sprache unterrichtet würden und nicht auf Lateinisch, verstärkte die Reformation die Entwicklung hin zu nationalen Kulturen.

Auch wenn die Reformation in der kleinen Stadt Wittenberg begann, breitete sie sich schnell aus, und in kurzer Zeit wurde Wittenberg zu einem internationalen Zentrum. Die neue Buchdruckerkunst sorgte für schnelle Verbreitung der reformatorischen Schriften. Studenten aus ganz Nordeuropa reisten nach Wittenberg, um Vorlesungen u.a. bei Luther und Melanchthon zu hören. Was sie lernten, nahmen sie mit nach Hause, und das prägte in einer Weise das Land, aus dem sie kamen. Ein Teil dieser Studenten kam aus Dänemark, Norwegen und Schweden. Die Reformation wurde eine internationale Bewegung. Über Briefe standen Luther und Melanchthon in engem Kontakt zu anderen protestantischen Ländern, und sie kamen mit Rat und Anleitung für Könige und andere bedeutende Persönlichkeiten. Der enge Kontakt zwischen den protestantischen Ländern blieb in den Jahrhunderten nach Reformation bestehen.

Im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche, die eine internationale einheitliche Struktur bewahrte, organisierten sich die reformatorischen Kirchen in hohem Maße als Nationalkirchen in bestimmten Gebieten (Territorialkirchen). Das trug dazu bei,  der Entwicklung des lutherischen Christentums in den verschiedenen Ländern ihre je eigene Prägung zu verleihen, die man noch immer beobachten kann.

In Deutschland waren es die Fürsten in den einzelnen Fürstentümern, die in der Praxis die Reformation beschützen und fördern sollten. In Dänemark sollte der König eine zentrale Rolle spielen. Die lutherische Auffassung, dass der Mensch in einem gegenseitigen verpflichtenden Verhältnis zu Über- und Untergeordneten stehen solle, unter stärkte die Rolle des Fürsten oder Königs als der sammelnden Figur.

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