Luther und die reformatorischen Ideen: Leben und Tod

Luther war der Auffassung, dass die Rechtfertigung „allein aus Glauben“ ausschließt, dass Werke etwas für das Heil bedeuteten. Das befreite den Menschen dazu, sein gewöhnliches Menschenleben zu leben – mit Ehe, Sexualität, Familie, Arbeit, Freundschaft usw. Nach Luther sollte der Mensch im „Beruf und Stand“ leben, d.h. er oder sie sollte die Aufgaben annehmen, die die jeweilige Situation erforderte.

Luther selbst war dafür bekannt, ein Lebemann zu sein, Vergnügungen nicht abhold. In seinen Augen gab es keinen christlichen Grund, sich von der Welt abzusondern. Vielmehr ging es darum, dem Leben so viel wie möglich abzugewinnen zusammen mit anderen Menschen, in erster Linie ihretwegen, und damit auch zur Freude für sich selbst. Überhaupt war Freude für Luther ein Mittel, das Böse fernzuhalten.

Die Reformation veränderte in mehrere Weise die Auffassung vom Tode. Die Vorstellungen der mittelalterlichen Kirche vom Fegefeuer als dem Ort, wo sich die Toten bis zum jüngsten Tage aufhalten, wurden nun abgelehnt, weil, sie nicht in der Bibel begründet war.

Luther verstand den Tod auf zwei Weisen: Einerseits als physischen Tod. Der physische Tod war für Luther zeitlebens eine Anfechtung. Deshalb war es wichtig, die Verheißung Gottes von der Auferstehung und dem ewigen Leben zu verkündigen. Für den, der an Gottes Gnade und Vergebung glaubte, existierte keine Strafe nach dem Tode. Deshalb galt es, am Glauben festzuhalten.

Auf der anderen Seite verstand Luther den Tod und den Kampf gegen den Tod auch als etwas, das jeden Tag zu geschehen hatte. Der sündige Mensch musste jeden Tag sterben. Der Tod hatte schon mit der Taufe begonnen und endet erst mit dem physischen Tod. Immer wenn die Sünde und der Egoismus des Menschen durch die Gnade Gottes besiegt wurden, bedeutete dies, dass der Sünder im Menschen immer mehr starb. Zugleich war dieser Tod auch der Beginn eines neuen Lebens für den Menschen: Im Glauben an Christus hatte man schon teil am ewigen Leben. Luthers Verständnis des christlichen Menschen ist somit stets ein doppeltes. Gott gegenüber ist er sowohl Sünder als auch gerechtfertigt. Das Leben ist sowohl Tod als auch Auferstehung.

TYPO3 CMS by TypoConsult A/S
Diese Seite nutzt Cookies zur Erstellung von Berichten und Features der Website zu optimieren. Haben Sie diese Website nutzen, können Sie die Verwendung von Cookies akzeptieren.
Cookies akzeptieren
Teile diese Seite