Bilder der Reformation: Leben und Tod

Man hat vermutlich immer Bilder vom Jenseits hergestellt. Das heißt in Bildern dargestellt, was, wie man meinte, geschehen würde, wenn der jüngste Tag eintraf nach dem Ende der Zeiten, und gezeigt, wie das Dasein im Himmel oder der Hölle nach dem jüngsten Gericht aussehen würde. Es existieren jedenfalls unzählige Bilder mit diesem Motiv vom frühen Mittelalter bis heute.

Die Vorstellung vom jüngsten Gericht und seinen Konsequenzen hat sich allerdings im Laufe der Zeit verändert, und damit haben sich auch die Motive vom jüngsten Gericht verändert.

Die neuen Gedanken Luthers, wie Leben, Tod, Gericht und Strafe zusammenhängen, änderten deshalb auch die Motive vom jüngsten Gericht. In der alten Kirche zeigten die Darstellungen des jüngsten Gerichts immer Christus, der auf dem Regenbogen saß und auferstandene Menschen richtete. Maria und Johannes standen an der Seite Christi und versuchten, die Urteile zugunsten der einzelnen Menschen zu beeinflussen. Einige wurden erlöst und kamen sofort in den Himmel, andere wurden gerichtet für ihre verschiedenen Sünden und kamen ins Fegefeuer. Hier wurden sie gereinigt mit oft grausamer Strafe. Diese Sünder wurden dann wieder geteilt: die, die gereinigt werden konnten, kamen in den Himmel, und die, dies nicht gereinigt werden konnten, mussten für alle Ewigkeit in die Hölle. Ihre Qualen hier wurden so verschieden und mit unterschiedlichem Eifer in Bildern ausgemalt zum Schrecken und zur Warnung für alle.

Luther hatte jedoch das Wirken der Heiligen als Vermittler zwischen dem Menschen und Gott und damit auch die Rolle Marias und des Johannes als die Fürbitter beim jüngsten Gericht abgeschafft. Und er hatte das Fegefeuer abgeschafft, weil ein solcher Ort nirgends in der Bibel erwähnt wird.

Die Vorstellung vom jüngsten Gericht und der Hölle existierte jedoch weiter. Aber die Art und Weise, der Hölle zu entgehen, wurde eine andere. Luther war der Meinung, dass der sündige Mensch durch die Gnade Gottes erlöst wird, wenn man aufrichtig an sie glaube. Deshalb wurde der Glaube (das heißt der Glaube, für den Luther stand) allesentscheidend. Man sollte im Glauben auf Christus schauen und seine Sünden bereuen, Gottes Vergebung empfangen und dann gegen die Sünde in sich selbst kämpfen.

Aber wie sollte ein lutherisches jüngstes Gericht aussehen? Luther spricht nicht sehr detailliert weder vom jüngsten Gericht noch von der Hölle. Er war mehr damit beschäftigt, wie der Mensch auf Erden leben sollte. Deshalb waren die Künstler ratlos. Man musste experimentieren.

Eine neue Art von jüngstem Gericht kann man auf der Rückseite des riesengroßen komplexen Flügelalters, sehen, den die sächsischen Fürsten herstellen ließen und 1539 in der Skt. Wolfgangkirche aufstellen ließen. Die Kirche in Schneeberg liegt im südöstlichen Sachsen, das damals eine der wichtigsten Städte des Kurfürstentums war.

Das Motiv ist dreigeteilt. Unten stehen die Toten auf aus ihren Gräbern. Dieser Teil der Tafel brannte jedoch 1945. Nur ein altes Schwarzweißfoto ist erhalten. In der Mitte werden die Toten in Erlöste und Verdammte aufgeteilt. Die Erlösten werden liebevoll von Engeln in den himmlischen Wolken empfangen, während die Verdammten in der Finsternis der Hölle verschwinden, wo keine Leiden detailliert beschrieben werden. Ganz oben werden die Erlösten im Himmel von Christus empfangen, der sie segnet.

Christus als richtende Macht ist im Bilde gar nicht vorhanden. Und die Fürbitter, die man ja auch nicht mehr braucht, sind verschwunden. Das Gericht selbst scheint schon vollzogen, ehe die Toten auferstehen, da deutlich ist, wer im untersten Bild erlöst ist und wer nicht: Die Erlösten sind die, die ihre Blicke vertrauensvoll zum Himmel richten, die Verdammten sind die, die sich missmutig abwenden. Der Glaube erlöst, das ist die Botschaft. 

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