Reformation und die dänische Gesellschaft: Glaube und Werke

Im 16. Jahrhundert lebten die Menschen in einem magisch-religiösen Weltbild, das durch die Spannung zwischen Gott und Teufel geprägt war. Diese beiden griffen ständig in den Gang der Welt ein, und die Menschen verstanden das so, dass sie sie durch ihre eigenen Handlungen beeinflussen konnten. Auch wenn der Glaube an Gott infolge den Theologen der Reformation über den Werken stand, war – und ist – die protestantische Welt noch immer voll von Werken mit großer Bedeutung für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft.

Nach der Reformation war man noch immer der Auffassung, dass Gott mit Krieg Missernte oder Krankheit strafen konnte, wenn Menschen sich sündig verhielten. Aber er konnte auch belohnen, indem er Frieden schenkte, eine gute Ernte bescherte oder Menschen gesund machte. Viele Menschen bemühten sich deshalb, ein gutes christliches Leben zu leben; man betete zu Gott und verrichtete Rituale zu seinen Ehren. Gute protestantische Werke, auch „Früchte des Glaubens“ genannt, konnten Almosen für die Armen oder liebevolle Fürsorge für Familie und Nachbarn sein.

Der Teufel wurde für böse und ebenso aktiv wie Gott angesehen. Das bedeutete, dass Menschen stets wachsam vor den Versuchungen des Teufels oder seinen Forderungen nach Treue und Hilfe sein mussten. Man fürchtete, wenn man schwach war, könnte die Strafe groß sein hier in diesem Leben und nach dem Tode.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts glaubte man weniger an das direkte Eingreifen Gottes und des Teufels in diese Welt. Für die Pietisten und die Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts war die persönliche Bekehrung am wichtigsten. Aber auch hier hatten die guten Werke große Bedeutung, weil man einen bekehrten Menschen daran erkennen konnte, was er oder sie tat. Wenn z.B. ein Spielmann seine Geige zerstörte, wurde das als Zeichen dafür gesehen, dass er sich von seinem bisherigen sündigen Leben mit Tanz und Tanzmusik verabschiedete. Die Philanthropie der letzten Jahrhunderte hat auch Wurzeln in dem Wunsch, gute Werke zu tun. Hier sieht man eine mögliche Spur zur Entwicklung des Wohlfahrtsstaates.

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